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letzte Aktualisierung 16. Feb. 2010

HUNDE
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Reichtum ist die Kotze des Glücks

Frank Castorf und die Kyniker

Was man bei dem Titel vielleicht nicht unbedingt erwartet, ist der Auftritt Apollos mit der gebundenen Sprache antiker Verse. Freilich, Kuhscheiße und lautes Gebrüll dürfen dabei nicht fehlen, sie gehören zur Handschrift des Regisseurs. mehr ...

"It is only Rock n Roll but I like it!"

Regie: Frank Castorf
Raum: Bert Naumann
Kostüme: Ulrike Köhler


Blick in den Schnee

"Der zerbrochene Krug"
von
Heinrich von Kleist

Klaus Maria Brandauer
als
Richter Adam

Regie: Peter Stein

Am Ende bleibt ihm nur die Flucht aus dem Fenster. Auf der weiten, weiß verschneiten Ebene wird er verfolgt, eingeholt und an Seilen in die Luft gehoben. Bilder der Reinheit und Unschuld überlagern seine Sünden. Wie Christus fährt er in den Himmel hinauf.

Peter Stein inszeniert mit seinem "zerbrochenen Krug" einen Negativabzug von Kleists Lustspiel und fügt den ohnehin schon im Text enthaltenen gegenläufigen Bewegungen eine weitere hinzu. So steht am Anfang das menschliche Vergehen, am Schluss jedoch die Hoffnung auf Erlösung von den Sünden. Wie sonst kann es sein, dass Richter Adam über einem jungfräulich schneebedeckten Feld in den Himmel aufsteigt? mehr ...


Kaspar Häuser Meer

Gehacktes für die drei Damen vom Jugendamt

Eine soziale Befindlichkeitscollage unterm ästhetischen Schutzschirm

im Maxim Gorki Theater

Szenenfoto Maxim Gorki Theater Kaspar Häuser Meer Wären da nicht diese kunstseidenen Hauskleidchen mit Blumenwiese, man könnte glatt meinen "Kaspar Häuser Meer" hätte etwas mit unserer sozialen Wirklichkeit zu tun. Dabei hatte das Theater Freiburg das Stück aus Anlass des "Fall Kevins" bei Felicia Zeller in Auftrag gegeben. 2006 war der Junge zerstückelt im Kühlschrank seiner Eltern aufgefunden worden. Längst hatte das Jugendamt die Vormundschaft für das Kind übernommen. - Kein Scheiß! Realität! Trotzdem kann sich das Publikum über die Uraufführungsinszenierung im Maxim Gorki Theater bestens amüsieren. mehr ...


Szenenfoto mit Lore

Feste des Grauen

„Ich bin´s nicht, Adolf Hitler ist es gewesen“

von Hermann van Harten

Wer kennt ihn nicht diesen Titel? Seit Jahrzehnten steht er in den Programmen der Berliner Stadtmagazine. Dass sich hinter dieser Konstanten jedoch ein Zyklus von 14 Theaterstücken verbirgt, der sich in einer dramatischen Dokumentation mit den Tätern der NS-Zeit auseinandersetzt, dessen Umfang stetig anwächst und immer wieder Verbindungen zur aktuellen Zeitgeschichte knüpft, ist weniger bekannt. mehr ...


Szenenfoto Kaffee Leben und Tod

off-kritik
feat.
Theater RambaZamba!

Start der neuen Off Serie: kulturtauchen.
Mit Reportage, Interview und Informationen aus dem Untergrund!

Das Theater RambaZamba ist als Teil des Sonnenuhr e.V. ein vom Berliner Senat gefördertes Projekt mit hauptberuflichen Schauspielerinnen und Schauspielern, die in unserer Gesellschaft als so genannte geistig Behinderte nur am Rande eine Rolle spielen. In ihrem Theater im Prenzlauer Berg hat sich längst eine Kultur entwickelt, die weit über nationale Grenzen hinausgeht und für die zahlreichen Zuschauer eine gesellschaftskulturelle Essenz darstellt. Ein wichtiger Grund für unsere Off-Kritik mit einem Feature über dieses Theater die Off-kritik zu starten. Klicken Sie sich in den Untergrund! Subway

"Wer unter die Oberfläche dringt, tut es auf eigene Gefahr." (Oscar Wilde)


Deutsches Theater in pornografischer Nähe

Wer den Film "Subway" von Luc Besson kennt, ist sofort an seine futuristische Untergrund-Atmosphäre erinnert. Die Bühne der Kammerspiele im Deutschen Theater ist von Nehle Balkausen wie ein langer U-Bahntunnel eingerichtet. Der ratternde Lärm ist der Puls des Stücks, ist der Rhythmus der Stadt London, in der Simon Stephens neues Stück "Pornographie" spielt. Im Juli 2005 bekommt London den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2012. Dann folgt die Katastrophe! Minutiös geplant, werden an verschiedenen Stellen des Londoner U-Bahnnetzes Sprengsätze gezündet.

Der Akt bleibt Leerstelle, das Grauen namenlos.

Das funktioniert, ohne dass auf der Bühne erst eine Bombe explodieren muss. Die Stille ist es, die ein Loch in die Inszenierung reißt. Bilder vom 11. September, von den Londoner U-Bahnanschlägen und aus Madrid haben sich in das globale Bewusstsein gebrannt und dringen nun in die Leere. Konkrete Hintergründe für diesen Terror gibt es nicht. Die Gesellschaft gegen die er gerichtet ist, ist einziger Anhaltspunkt.

Christoph Mehler entwirft in seiner Inszenierung mit wenigen groben Strichen das psychopathologische Portrait einer kranken Gesellschaft. mehr ...


"Der Hund die Nacht und das Messer"

Splattermovie auf der Berliner Schaubühne

Portal Schaubuehne

Aus dem Dunkel der Nacht tauchen die Figuren auf. Irgendwie scheinen sie alle gleich und mit einer Gier auf Menschenfleisch ausgestattet. Einen verirrten Mann am toten Ende der Straße haben sie zu ihrem Opfer auserkoren.
Das Blut spritzt zwar nicht, aber immerhin, es fließt in Strömen auf den Boden der Schaubühne. Das Opfer gibt seinen kostbaren Körper nicht kampflos her.

Mit einem langen Fleischermesser verteidigt M. sein Leben.

Ähnlich wie in dem Filmklassiker des schwarzen Humors "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" von P. Greenaway, ist auch das neue Stück vom Hausautor der Schaubühne, Marius von Mayenburg, um das Lachen am Abgrund des menschlichen Daseins bemüht. So wird die klaffende Schnittwunde über dem Bauch des Protagonisten immer wieder von den lüsternen Wesen beäugt und begrapscht. Der einhellige Kommentar bleibt stets der gleiche: "Nicht tief genug!" mehr ...


Verirrt!

Im Maxim Gorki Theater
"Der Zauberberg" nach Thomas Mann

Da hätte ich mich wohl doch nicht so beeilen müssen. Bis sich die erste menschliche Regung auf der Bühne zeigt, vergehen geschlagene 10 Minuten, oder sind es Jahre? Sie tickern auf einer Uhr über dem Zuschauerraum ab.

Gemächlich dreht sich die Bühne im Kreis. Sechs Schauspieler lassen sich auf Sanatoriumsliegen einschneien. Später wird einer der Patienten sagen, "hier oben vergehen drei Wochen wie ein Tag". "Hier oben", das ist der Zauberberg von Thomas Mann. Hier unten, im Zuschauerraum, vergeht Sekunde für Sekunde, ganz langsam, eine nach der anderen. Denn es geschieht nichts. - Oh, doch, Entschuldigung, es schneit und die Bühne dreht sich.

Keine Angst, lesen Sie ruhig weiter, es wird noch amüsant! mehr ...